Aktuelles
Hinter den Kulissen –
105 Jahre Öcher Schängche
Ausstellung in der Sparkasse Aachen,
29. Mai bis 12. Juni 2026

Sein erstes Stück hieß „Der Teufel in Aachen" – und der Teufel hat gegen das Schängche verloren, wie so oft seither. Seit 105 Jahren ist die Aachener Stadtpuppenbühne Öcher Schängche eine feste Größe im kulturellen Leben der Stadt. Das hundertjährige Jubiläum fiel mitten in die Corona-Pandemie und konnte nicht öffentlich gefeiert werden. Das 105-jährige ist nun die Gelegenheit, die Bühne sichtbar zu machen und all jene neugierig zu machen, die das Schängche vielleicht noch nicht oder nicht mehr kennen.
Vom 29. Mai bis zum 12. Juni ist im Kundencenter Elisenbrunnen der Sparkasse Aachen am Friedrich-Wilhelm-Platz eine Ausstellung zu sehen, die einen Blick hinter die Kulissen der Bühne ermöglicht.
Wer die Barockfabrik am Löhergraben kennt – die ehemalige Tuchfabrik aus dem frühen 19. Jahrhundert, die heute Heimat des Schängche ist – weiß, dass sich dort auf engem Raum eine erstaunliche Menge verbirgt. In den oberen Etagen, wo einst das Stadtarchiv untergebracht war und die alten Rollschränke noch stehen, lagert der Fundus der Bühne: Prospekte mit gemalten Landschaften und Aachener Motiven, Versatzstücke für Vorder- und Mittelgrund, größere Dekorationsteile für den Schnürboden – Märchenwälder, Gaststätten, Häuserwände, der Lousberg, der Dom von außen und innen. Über Jahrzehnte zusammengewachsen, von verschiedenen Händen gemalt und gebaut.
Für die Ausstellung durchforsten Spielleiterin Hanna Birmans und Bühnenmeister Peter Reuters – seit 1981 im Haus – diesen Fundus und suchten das Schönste heraus. Zu sehen sind ganze Figuren, Puppenköpfe, Kostüme, Requisiten und eine großformatige Kulisse. Dutzende Köpfe besitzt die Bühne – handwerkliche Einzelstücke aus Lindenholz, die meisten noch im aktiven Einsatz, je nach Stück auf unterschiedliche Körper gesetzt und wieder abgenommen. Darunter auch einige Köpfe aus dem Fundus von „Pech & Schwefel" – dem Stockpuppenkabarett, das der Kabarettist Wendelin Haverkamp seit 2008 gemeinsam mit dem Förderkreis Öcher Schängche entwickelt und aufgeführt hat. Diese Köpfe folgen einer anderen Tradition: Es sind Porträtpuppen, Abbilder echter Menschen, die dem Kabarett sein unverwechselbares Gesicht gaben. Kostüme wurden teils eigens für bestimmte Stücke angefertigt, teils wandern sie von Produktion zu Produktion, immer wieder neu kombiniert. Was letztlich auf die Reise in die Sparkasse geht, steht noch nicht fest – es hängt auch davon ab, was sicher transportiert und vor Ort stabil aufgestellt werden kann.
Einen besonderen Teil des Bestands stellen Steffi Diefenthal und ihr Sohn Guido Diefenthal zur Verfügung – Tochter und Enkel des langjährigen Spielleiters Matthias Stevens, der die Bühne von 1963 bis 1989 leitete. Steffi Diefenthal hat das Projekt von Beginn an begleitet und mit ermöglicht. Aus den Räumen der Bühne selbst kommen weitere Fundstücke: alte Werbeplakate und Programmhefte, handschriftliche Aufzeichnungen über Kasseneinnahmen und Besucherzahlen – Eintrittspreise noch in Pfennig – sowie persönliche Notizen von Matthias Stevens und Originaltexte von Kurzstücken, die zu besonderen städtischen Anlässen aufgeführt wurden. Auch Urkunden und Glückwunschschreiben zu den Auszeichnungen der Bühne sind dabei, darunter der Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen von 1986. Und es finden sich Briefe, in denen die kulturelle Aufgabe der Bühne und die Notwendigkeit ihrer städtischen Förderung immer wieder begründet und verteidigt wurde – Dokumente, die zeigen, dass 105 Jahre Bestand keine Selbstverständlichkeit waren.

Neben den Ausstellungsobjekten geben Informationstafeln Einblick in die Geschichte der Bühne, stellen die wichtigsten Figuren vor und beleuchten unter anderem den Puppenkarneval, der in diesem Jahr auch auf eine Jubiläumszahl kommt: seit 30 Jahren ist die Mitmachsitzung im Roten Saal fester Bestandteil des Aachener Fastelovvends.
Die Bühne wurde am 4. Mai 1921 gegründet und ist seit 1952 eine städtische Einrichtung. Neben dem Kulturbetrieb der Stadt Aachen ist der Förderkreis Öcher Schängche e.V. eine wichtige Stütze, der sich ehrenamtlich für die Weiterentwicklung der Bühne einsetzt. Die Sparkasse Aachen, die die Bühne über die Jahre immer wieder unterstützt hat, stellt für die Ausstellung ihre Räume zur Verfügung.
Zur Arbeit der Bühne gehört auch der Umgang mit dem Öcher Platt. Der Aachener Dialekt verschwindet zunehmend aus dem Alltag – kaum noch eine jüngere Generation wächst mit ihm auf. Wie die Bühne damit umgeht, welchen Anteil das Platt in Kinder- und Erwachsenenstücken hat und was das für das Publikum bedeutet, ist eine Frage, die die Spielleitung bis heute beschäftigt. Dazu kommt eine breitere Herausforderung: Kinder haben heute mehr Alternativen als je zuvor. Das analoge Erlebnis des Stabpuppenspiels – Figuren, die sich vor Augen bewegen, ein gemeinsamer Raum, unmittelbares Erleben – behauptet sich dennoch. Bei Schulvorstellungen können Kinder hinter die Bühne schauen und sehen, wie das alles funktioniert.
Die Eröffnung am 28. Mai fand als Abend für geladene Gäste statt, zu dem auch Norbert Laufs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, sowie Kulturdezernent Heinrich Brötz Grußworte sprachen. Die Ausstellung ist ab dem 29. Mai während der regulären Öffnungszeiten frei zugänglich. Eingang über die ElisenGalerie. Ermöglicht wird sie durch die Unterstützung der Sparkasse Aachen und des Kulturbetriebs der Stadt Aachen.
Zentrale der Sparkasse Aachen
Friedrich-Wilhelm-Platz 1-4
52062 Aachen
Telefon: +49 241 44455000
Montag 09:00-17:00 Uhr
Dienstag 09:00-17:00 Uhr
Mittwoch 09:00-17:00 Uhr
Donnerstag 09:00-17:00 Uhr
Freitag 09:00-13:00 Uhr
Fotos: © Andreas Steindl
| |
||




























Ordensausstellung in der Aachener Bank





























13. Ground Conference vom Verein ARTbewegt



















































